Ihr Lieben.
Jugendliche darf man nicht einfach so fotografieren und ins Internet stellen.
Wäre dem nicht so, sähet ihr oben nicht ein symbolisches Frühlingswiesen-Bild, sondern Jugendliche, mit Müllbeuteln ausgestattet, die am Sonntagnachmittag den Thälmann-Park aufräumen.
Jep: Das war ein ordentlicher Plot-Twist nach der aus dem Ruder gelaufenen Abi-Motto-Woche, von der wir hier Freitagfrüh schon berichteten, und die im Laufe des Abends noch eskaliert war.
Etwa 1000 Jugendliche waren erneut auf der Wiese hinter dem Planetarium zusammengekommen und feierten – bis die Polizei die Veranstaltung auflöste. Laut ihrem Bericht hatten zuvor freundliche Ansprachen wegen des Lärms und Mülls nichts gebracht; stattdessen waren vereinzelt Einsatzkräfte und Wagen mit Flaschen und Böllern beworfen worden.
Am nächsten Morgen sah es hinter dem Planetariun dann so aus. Diverse Flaschensammler hatten das Areal zu diesem Zeitpunkt schon inspiziert:

An der Tatsache, dass ich samstags gegen acht eine Wiese besichtigte, seht ihr zwei Dinge: Ich habe eine kleine Tochter, die gerne zu einer Uhrzeit mit sechs davor aufsteht (natürlich nur am Wochenende). Und das Thema hat mich beschäftigt.
Auch, weil es euch so beschäftigt hat.
Uns haben in den vergangenen Tagen wahnsinnig viele Nachrichten von euch erreicht. Ihr wart irritiert, verständnisvoll und differenziert. Danke dafür! Dieser Austausch war (und ist) eine große Bereicherung.
Es war zu viel, um alles zu veröffentlichen. Daher hier nur eine kleine Auswahl:
- "Als Anwohnerin habe ich die Direktoren der Schulen Käthe Kollwitz und Schliemann am Mittwoch besucht. Käthe K. war freundlich-kooperativ und wollte den Stufensprecher kontaktieren und zum verantwortlichen Handeln aufrufen. Schliemann sagte, ,wenn die Schüler nach Braunschweig fahren und sich da bei einem Fußballspiel danebenbenehmen, können wir auch nichts tun', hat sich dann aber bereiterklärt, eine Mail an die Schüler zu schicken. Ich habe selbst eine Tochter im Teenie-Alter und freue mich sehr mit den Schülern. Aber Glasflaschen zerbrochen überall rumliegen lassen geht gar nicht. In unserem Innenhof lagen Samstagfrüh leere Bierflaschen. Verkleidete Schüler hatten am Nachmittag zuvor mit Füßen gegen die Haustüren getreten und sind, wenn sie aufgingen, in die Häuser gegangen." (Brinja)
- "Eigentlich war es für die Massen an Abiturienten gar nicht so sehr verwüstet, wenn man es mit Marathon, Fußball, Demos oder sonstigen Aufläufen vergleicht. Ich bin mir sicher, dass die Leute vom Grünflächenamt fleißig sind, aber offensichtlich waren sie nicht jeden Tag da, denn der Müll hat sich von Dienstag bis Freitag gesteigert und es war zu keinem Zeitpunkt aufgeräumt. Ich finde, man sollte sich das als Bezirk leisten. Es gibt kaum öffentlichen Flächen, wo sich junge Leute treffen können, ohne Geld auszugeben, und wo es niemanden wegen Lärm stört." (Sabine)
- "Jugendliche sind in Prenzlauer Berg wenig sichtbar. Wenn sie dann irgendwo auftauchen – häufig einmal jährlich zur Motto-Woche – beschweren sich alle. Ich wünschte mir, wir hätten mehr Verständnis und würden ein anderes Bild zeichnen von diesen jungen Menschen." (Josefa)
- "Dass die Motto-Woche jede Menge Müll und Scherben mit sich bringt, ist natürlich nicht schön und nervt mich als Radfahrer auch. Das bringt eine große Menschenansammlung aber eben leider mit sich. Andererseits ist es wirklich lustig und schön anzusehen, wie sich die angehenden Abiturient:innen selbst organisieren, verkleiden und zusammen Spaß haben." (Tom)
- "Jedes Partyvolk, das einen Raum mietet, muss hinterher aufräumen oder zumindest dafür sorgen, dass aufgeräumt wird. Aber den öffentlichen Raum kann man so hinterlassen?" (Claudia)
- "Manchmal spreche ich Menschen darauf an, ihren Müll aufzusammeln, und ernte oft nur mitleidige Blicke. Auch gescheite Menschen lassen ihren Müll da, obwohl sie wissen, dass Grünflächenamt oder BSR dieser herausfordernden Mammutaufgabe nicht gewachsen sind." (Jenny)
Schon für den Text am Freitag hatte ich Pankows Bezirksstadträtin für Ordnung und Öffentlicher Raum, Manuela Anders-Granitzki (CDU) für eine Stellungnahme angefragt.
Mittlerweile ist ihre Antwort bei uns eingetroffen (die ihr so wichtig war, dass sie sie zudem noch als Pressemitteilung veröffentlicht hat).
Sie zeigt großes Verständnis für Abi-Feiern, sagt aber auch: