Ihr Lieben.
Erinnert ihr euch an den BH-Laden Brafinette? An das Fotostudio ISO25 oder an die Blumenkönigin?
Das sind nur drei Geschäfte, die in den letzten Monaten aus der Florastraße verschwunden sind – teilweise, nachdem sie sich vorher über Jahrzehnte gehalten haben.
Was ist da los?
Ich habe mich im Florakiez umgehört und mir einen Überblick verschafft.
Spoiler: Nicht nur die Mieten sind das Problem. Und wie der Florastraße geht es vielen Einkaufsgegenden in sogenannten B-Lagen (nicht Gosse, nicht Ku'damm).
Worum geht es?
Dem Einzelhandel im Kiez geht es nicht gut. Das beschäftigt auch euch:
“Leerstand in der Florastraße. Immer mehr Geschäfte schließen, einige stehen schon länger leer. Vermutlich sind zu hohe Mieten Schuld. Sehr schade für diese schöne kiezige individuelle Einkaufsstraße und alle Anwohner*innen!”, schreibt uns jemand aus der Community.
Ähnliches beobachtet ihr in der Husemannstraße: "Kaum noch Geschäfte. Schade. Stattdessen Büros, Ferienwohnungen, Schönheitsinstitute."
Zudem beklagt ihr, dass neueröffnete Geschäfte oft "keine Läden der nützlichen Nahversorgung” seien, sondern eher Start-ups oder Büros.
Warum ist das wichtig?
Es trägt zur Lebensqualität bei, wenn man in unmittelbarer Umgebung alles findet, was man braucht. Viele Menschen wünschen sich kleine Geschäfte, gute Restaurants, gemütliche Cafés, urige Kneipen und schöne Galerien in ihrer Nachbarschaft. Sie sorgen für das Kiezgefühl. Fachleute nennen das "Berliner Mischung".
Diese tut auch der Psyche gut, denn anders als beim Einkauf im Internet trifft man in Geschäften andere Menschen. Sozialer Kontakt senkt Stress und das Risiko für Depressionen und Demenz.

6 Gründe, warum Läden schließen
1.: Wir konsumieren weniger
Wir legen Geld eher an, als dass wir es ausgeben. Das monatlich gemessene Konsumklima in Deutschland zeigt diese Tendenz seit langem. Unsere Neigung zu sparen ist so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr, während unsere Bereitschaft zu größeren Anschaffungen deutlich gesunken ist.
Darunter leiden auch Geschäfte, die davon leben, dass wir uns etwas Schönes gönnen. Wie die Blumenkönigin, die im Sommer 2025 schließen musste.
2.: Der Onlinehandel verdrängt den Einzelhandel
Viele bekennen sich zwar zum Einzelhandel, kaufen aber selten dort, sagt Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg.
- Der Einkauf im Netz ist oft günstiger. Auf Vinted oder Kleinanzeigen kriegt man selbst Secondhand preiswerter als im Laden, der neben der hohen Einkaufsstraßen-Miete auch mehr Personal bezahlen muss als Amazon in seinen Lagern am Stadtrand. Nur Lebensmittelgeschäften, Möbelstudios und spezialisierten Nischenläden geht es gut. Ansonsten steckt der Handel in der Krise.
- Gleichzeitig überschwemmen täglich rund 400.000 Pakete aus China den deutschen Markt. Mangelhafte Kontrollen beim Zoll und fragwürdige Lieferketten machen die Produkte extrem billig und für den Einzelhandel kaum konkurrenzfähig.