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3 Min. Lesezeit Hintergrund

„Fußgänger:innen werden von der Ampelschaltung diskriminiert.“

Ein Interview über veraltete Ampelanlagen und neue Verkehrslösungen mit dem Mobilitätsforscher Andreas Knie.

„Fußgänger:innen werden von der Ampelschaltung diskriminiert.“
Prof. Dr. Andreas Knie leitet die Forschungsgruppe "Digitale Mobilität und gesellschaftliche Differenzierung" am WZB. Credit: Bernhard Ludewig

Herr Professor Knie, wir haben in Berlin mehr Ampeln als jede andere europäische Großstadt. Wenn ich zu Fuß gehe oder als Fahrgast der M10 hinter den Autos herzuckele, habe ich das Gefühl, diese Ampeln sind alle gegen mich. Woher kommt dieser Eindruck?

Andreas Knie: Die Berliner Ampelanlagen sind, verglichen mit denen anderer Städte, sehr „dumm“. Einmal geschaltet, bilden sie nicht den real fließenden Verkehr ab, sondern reproduzieren immer wieder dieselbe Logik. Insofern spiegeln sie den Zustand der Digitalisierung in unserer Stadt wider.

Warum ist Berlin da weniger fortschrittlich als andere Städte?

Andreas Knie: Ampeln waren in Berlin über viele Jahrzehnte ausschließlich dazu da, den Autoverkehr zu optimieren. So sind sie bis heute geschaltet: Wir haben keine Vorrangschaltung für den öffentlichen Verkehr, für Busse oder Straßenbahnen, und keine Affinität für Radfahrende. Die Ampeln spiegeln das alte West-Berlin der 70er Jahre wider.

Liegt das auch daran, dass der Betrieb so lange in der Hand eines privaten Unternehmens war?