Ihr Lieben.
Unsere Gesellschaft ist schon wieder gespalten.
Diesmal in den Teil, der gar nicht aufhören kann, sich jeden Tag neues juristisches Fachwissen zum Thema Räum- und Streupflicht draufzuschaffen.
Und den anderen, der die Überforderung Berlins im Angesicht von Eis und Schnee als Teil der Stadtfolklore akzeptiert hat.
Schlange vorm Berghain? Eingenässte in der U8? Eischaos? Dit is Berlin!
Die Tatsache, dass wir das Thema hier bislang umschifften, lässt euch ahnen, zu welchem Team ich gehöre nach fast 25 Wintern in Berlin, in denen noch nie vernünftig geräumt wurde.
Aber ich sehe es ein: Einen Kurz-Überblick, warum hier vor lauter Ausrutschopfern zwischenzeitlich kein einziger Rettungswagen mehr frei war, habt ihr verdient.
Wissen
Was erlauben Glatteis?
Was ist das Problem?
Eins? Wir haben mehrere:
- In Berlin sind die jeweiligen Hausbesitzer:innen für das Räumen und Streuen der Gehwege vor ihrer Haustür verantwortlich. So erklärt sich, dass derzeit alle 20 Meter die Räumqualität schwankt, von sorgfältigst freigefegt bis spiegelglatt.
- Zwar drohen bis zu 10.000 Euro Strafe, wenn man nicht richtig räumt. Dem Pankower Bezirksamt fehlt aber das Personal für Kontrollen.
- Zudem ist es verboten, mit Salz zu streuen. Das taut zwar auf und hilft, wenn Sand und Splitt nicht mehr gegen die Eisplatten ankommen. Ist aber schlecht für Pflanzen und Grundwasser.
Kurzfristige Lösungen?
Das tut Berlin:
- Bezirke erlassen sogenannte Ersatzvornahmen: Sie lassen die BSR oder ein anderes Unternehmen dort räumen, wo noch kein Winderdienst aufgetaucht ist, und stellen die Kosten den Eigentümer:innen in Rechnung.
- Der Einsatz von Streusalz wurde vorübergehend erlaubt, sehr zum Entsetzen der Umweltverbände. Der BUND fordert schon jetzt fürs Frühjahr eine Intensivkur, um die salzgeschädigten Bäume zu retten. Viel gießen und das Salz damit aus dem Boden zu schwemmen sowie Dünger sollen helfen.
- Die BSR verteilt an drei Betriebshöfen kostenlos Streusalz für alle, die selbst Hand anlegen wollen. Die nächste Ausgabestelle für uns ist die Mühlenstraße in Friedrichshain. Zudem unterstützt die BSR nun selbst beim Räumen, auch auf Gehwegen.