Guten Morgen, zusammen!
Vor einer Weile beklagte ich mich bei meiner Freundin Jonna über die Kreuzung Eberswalder Straße. Als Fußgängerin warte ich dort erst endlos auf Grün, obwohl eigentlich kein Auto kommen kann. Und wenn es dann Grün wird, muss ich Haken schlagen, weil mich sonst die Linksabbieger:innen anfahren.
Ich: "Warum ist das so?"
Meine Freundin: "Wegen des Ampel-Monopols."
Ich: "?!?"
Für mich war das neu. Also habe ich recherchiert. Das Ergebnis ist dieser Themen-Newsletter, zu dem ihr mit euren Hinweisen zu nervigen Ampelschaltungen im Kiez beigetragen habt. Danke dafür!
Und danke an Jonna, die wirklich auf fast alles eine kluge Antwort hat.
Falls ihr auch mal eine Frage loswerden wollt, schreibt uns gerne an redaktion@loky.news oder direkt in unseren Briefkasten.
Alles ist erleuchtet
Seit 2023 managt ein neues Unternehmen die Ampeln in der Hauptstadt. Das Ziel ist ein nachhaltiger, effizienter Stadtverkehr. Doch so richtig springen die Signale noch nicht auf Grün.
Worum geht’s?
Drücken. Warten. Das Leben reflektieren. Für Fußgänger:innen ist das Alltag an Berliner Kreuzungen. Ganze 2.155 Lichtsignalanlagen – so heißen Ampeln im Behördendeutsch – gibt es hier. Berlin ist damit die ampelreichste Stadt Europas.
Wer viel zu Fuß unterwegs ist, regelmäßig mit dem Rad fährt oder Bus und Tram nutzt, weiß: Die Stadt mag signalwirksam leuchten wie einst Erichs Lampenladen. Bevorzugt werden aber meist PKWs. Für alle anderen gilt: Grün kommt erst dann, wenn man innerlich schon aufgegeben hat.
Daran wird sich so schnell sich nichts ändern.
Woran liegt’s?
Berlins Verkehrsplanung orientiert sich häufig am Auto und stellt die Bedürfnisse der PKW-Fahrer:innen in den Mittelpunkt – mit Folgen für Ampeln und ihre Schaltungen.
Längst hat sich die Gewichtung im Berliner Straßenverkehr jedoch verschoben. Mehr als ein Drittel – und damit die meisten aller Wege – legen Berliner:innen zu Fuß zurück. Danach folgen Bus und Bahn mit über 26 Prozent. Das Auto liegt mit einem Anteil von 22 Prozent auf Platz drei. Für knapp 18 Prozent der Wege nutzen die Menschen das Rad. Das ergab ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Dresden für das Jahr 2023.
Die Berliner Ampeln werden dem jedoch nicht gerecht. Etliche stammen aus einer Zeit, in der Telefone noch Wählscheiben hatten. Und auch ihre Schaltungen sind in einer Ära verhaftet, in der niemand damit rechnete, dass Fahrräder ernstzunehmende Verkehrsteilnehmende werden könnten. „Sie spiegeln das alte West-Berlin der 1970er Jahre wider“, sagt Prof. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). „Damals zählte nur eins: Das Auto muss rollen.“
Ein Problem sei die unzureichende Digitalisierung der Anlagen, so Andreas Knie: „Sie sind nicht intelligent. Einmal geschaltet, laufen sie in ihrem Rhythmus. Den real fließenden Verkehr und seinen tatsächlichen Bedarf nehmen sie nicht wahr.“
Berlinweit sind derzeit gerade mal 15 Prozent der Ampelanlagen mit Videokameras ausgestattet, die dem System Informationen liefern können. Ein noch kleinerer Anteil arbeitet mit den effizienteren Wärmebildkameras. Die allein genügen jedoch auch nicht.
Derzeit wird beispielsweise am Kurt-Schumacher-Platz eine intelligente Anlage getestet, die auf das aktuelle Verkehrsaufkommen eingehen kann. Damit die einen guten Job machen kann, müssen allerdings auch die beteiligten Fahrzeuge die nötige Technik aufweisen. Die fehlt häufig noch.