Zum Inhalt springen
4 Min. Lesezeit Restaurant

Pankow dreht Restaurant-Transparenz zurück. :-(

Erinnert ihr euch an den Lebensmittel-Smiley? Der wurde in Pankow erfunden. Heute ist von der Transparenz nur noch eine abgeschaltete Website übrig.

Pankow dreht Restaurant-Transparenz zurück. :-(
Die Tomate: der optische Klassiker in der Lebensmittelhygiene-Berichterstattung. (Quelle: Bezirksamt Pankow)
💡
Dieser Text ist Teil einer Ausgabe von loky* – dem lokalen Newsletter für Pankow, Prenzlauer Berg & Weißensee. Lässig und seriös. Abonniere ihn, um alles zu lesen. Kostet nichts! Aber versorgt dich regelmäßig mit Neuigkeiten aus deinem Kiez.

Worum geht‘s?

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie oft die Pommesbude im Sommerbad ihr Fett wechselt? Oder ob der Hot Pot wirklich als „energetisiert nach Reiki-Art“ ausgezeichnet werden darf, wie es auf der Speisekarte steht??

Das Vertrauen bei Essen und Trinken außer Haus ist ein hohes Gut, das auch durch ständige Kontrollen und anschließende Berichte der Lebensmittelaufsicht aufrechterhalten wird.

Pankow hatte diesbezüglich lange eine bundesweite Vorreiterstellung: Die Hygienekontrollberichte aller Gastgewerbe im Bezirk inklusive Fotos und einer Bewertung über ein Smiley-System wurden jahrelang proaktiv auf einer Website veröffentlicht. Dies ist nun Geschichte. Im Februar wurde die Seite offline genommen. 

Warum ist das wichtig? 

In Deutschland gilt das Verbraucherinformationsgesetz, das EU-Transparenzvorgaben für Deutschland konkretisiert. Auf dieser Grundlage müssen Behörden auf Antrag Zugang zu bestimmten Informationen aus den Kontrollberichten gewähren. 

Aber eben nur auf Antrag. Wer füllt schon ein Formular aus, bevor er einen Döner bestellt? 

Die Pankower Lösung hat es den Verbraucher:innen einfacher gemacht. 

War‘s das jetzt?

Warum wurde die Website abgeschaltet?

Bis zur Abschaltung im Feburar konnte man online zu allen kontrollierten Gastgewerben im Bezirk eine tabellarische Einordnung der Ergebnisse mitsamt Fotos einsehen.

Allerdings folgten keine anderen Bezirke dem Pankower Modell. Dies führte zu dem absurden Umstand, dass man auf der Torstraße Informationen zu Restaurants auf der Prenzlauer-Berg-Seite einsehen konnte, während dies für die gegenüberliegenden Gaststätten aus Mitte nicht galt. 

Der Berliner Senat wollte mit einem Gesetz mit dem schwerverdaulichen Namen „Lebensmittelüberwachungstransparenzgesetz“ ein einheitliches Transparenzbarometer einführen - und scheiterte krachend. 

Am Ende hing in ganz Berlin genau ein Transparenzbarometer, und das Gesetz wurde Anfang 2026 wieder abgeschafft.

Was sagt der Bezirk?

Die Lebensmittelaufsicht gehört zum Arbeitsbereich von Pankows Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU). 

Ihr Büro betont:

Für die Abschaltung der Website nennt der Bezirk in einer Antwort auf eine schriftliche Frage im AGH außerdem technische Gründe. Durch ein Update der Fachanwendung müssten Schnittstelle und Website angepasst werden. Die technischen und personellen Kosten könnten aktuell aber nicht mehr vom Bezirk abgedeckt werden. 

Immerhin: Laut Bezirksamt werden trotz des Fachkräftemangels jeden Monat einige hundert Betriebe kontrolliert. Die von ihnen erstellten Hygienekontrollberichte müssen allerdings nun wieder einzeln angefragt werden.

Welche Lösungen gibt es anderswo?

Andernorts sind einsehbare Hygienekontrollberichte gängige Praxis. In New York gibt es beispielsweise das ABC-System: Gaststätten mit der schlechtesten Bewertung „C“ müssen diese prominent in den Räumlichkeiten sichtbar machen. 

Andere Länder gehen noch weiter: In Dänemark werden Kontrollberichte proaktiv veröffentlicht und es gibt seit mehr als 20 Jahren ein landesweites Smiley-System.

Laut foodwatch Deutschland hat es zu besseren Hygieneverhältnissen und einer Entlastung der Bürokratie geführt. Individuelle Anträge, um Hygienekontrollberichte zu erhalten, sind dort nicht nötig.  

Und jetzt?

Screenshot: Topf Secret

Das sogenannte „Saubere Küchen Gesetz“ des Senats ist zwar seit Februar Geschichte, die EU-Transparenzvorgaben haben aber Bestand:

Aber Achtung, falls es um den Schnitzelbräter um die Ecke geht, bei dem du namentlich bekannt bist – die Betriebe können auf Nachfrage den Namen der Antragsstellenden erfahren.

Wichtig zudem: Die Anträge lösen keine Kontrolle aus, sondern geben nur Einblick in Berichte der letzten fünf Jahre. Solltet ihr also einen akuten Verdacht haben, wendet euch lieber direkt an die Lebensmittelaufsicht.   

P.S: Echte Füchse dürften auch kein Problem haben, noch eine Version der Bewertungsseiten im Web-Archive zu finden. Die alten Links zu den Smiley-Ergebnissen können noch hier eingesehen werden.

Autor: Dénes Jäger ist freier Journalist aus Berlin und stellt leidenschaftlich gerne Anträge, um Einblick in Hygienekontrollberichte zu erhalten. Zudem arbeitet er bei der Open Knowledge Foundation Deutschland daran, dass Verwaltungen mehr Daten proaktiv veröffentlichen, um Anträge dieser Art überflüssig zu machen.


Dieser Newsletter entsteht im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem Media Forward Fund. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei loky*.