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# Rudolf Mosse erinnern
- URL: https://www.loky.news/rudolf-mosse-erinnern/
- Published: 2018-01-15T14:00:47.000Z
- Updated: 2025-03-20T18:07:12.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Geschichte, Jahn-Sportpark, jüdisches Leben, Mauerpark, Pankow, Prenzlauer Berg, #wordpress, #Import 2024-03-12 15:21

## Eine Straße quer durch den Jahnsportpark? Überreste der verschwundenen Rudolf-Mosse-Straße sind noch heute zu sehen. Ihr Namensgeber war der bedeutendste Presseunternehmer der Stadt.

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„Rudolf-Mosse-Straße“? Ich bin ziemlich verblüfft, als ich in alten Stadtplänen des Prenzlauer Bergs auf diesen Namen stoße. Wohl erinnere ich mich an das mit Einschüssen übersäte Mosse-Palais im Kapitel „Spartakusaufstand“ meines Geschichts-Schulbuchs, auch als Herausgeber des berühmten „Tageblatt“ ist mir der Name [Rudolf Mosse](https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf%5FMosse?ref=loky.news) ein Begriff, aber dass ausgerechnet die Straße, in der ich das fiktive „[Weiszheithaus](https://www.prenzlauerberg-nachrichten.de/2017/12/06/prenzlauer-berger-geschichten-teil-1/?ref=loky.news)“ meines neuen Romans erbaut habe, 1920 nach dem Multimillionär und Zeitungskönig der Kaiserzeit benannt wurde, habe ich nicht gewusst. Zumindest ein Teil der Straße, nämlich der südlich der Gaudy-Straße gelegene. Unter den Rasenflächen des Jahn-Sportparks, wo ich oft joggen gehe, liegt ein vergessenes Straßenpflaster!

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**Was verband den Millionär mit dem Arbeiterbezirk?**

In der Gründerzeit war Rudolf Mosse nicht nur der bedeutendste Presseunternehmer, sondern auch einer der wichtigsten Mäzene der Reichshauptstadt. Geboren 1843 in Posen, hatte er mit 24 Jahren in Berlin eine Annoncen-Expedition gegründet. Seit 1872 gab er das Flaggschiff des preußischen Liberalismus, das Berliner Tageblatt, heraus und in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Zeitungen. Ein umfangreicher Anzeigenteil ermöglichte günstigere Zeitungspreise als bei der Konkurrenz, steigende Auflagen wiederum erhöhten den Wert der verkauften Anzeigen. Das Konzept revolutionierte den Medienmarkt mit ähnlichen Folgen wie heute die sozialen Netzwerke das Internet.

Rudolf Mosse wendete einen großen Teil seines Vermögens auf wohltätige Spenden, förderte Künstler und Institutionen und errichtete Stiftungen wie die Emilie- und Rudolf Mosse-Stiftung in Charlottenburg. Mehrfach spendete Mosse für die Einrichtung von Sport- und Erholungsstätten und – vielleicht weil er sich für Fußball interessierte – dann eben auch für Einrichtungen auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes zwischen Schönhauser Allee und Nordbahn, wo Anfang des Jahrhunderts Hertha trainierte.

![Gaudystraße Rudolf Mosse](https://storage.ghost.io/c/7d/16/7d16f185-219f-4881-8506-d627ebb51163/content/images/wordpress/2018/01/Mossestr.1_webs.jpg)

Die Kanalabdeckung liegt an der rechten Kante der ehemaligen Mosse-Straße und in der Fluchtlinie der Häuser der Sonnenburger Straße. (Foto: Holger Siemann)

Anlässlich seines 70\. Geburtstages und der „Millionenspende“, einer spektakulär hohen Schenkung an die Stadt Berlin, teilte der Magistrat am 8.5.1913 mit: „Um das Andenken ihres Mitbürgers, von dessen lebendigem Gemeinsinn und warmen Interesse für seine Heimatstadt auch diese neueste Stiftung ein nachdrückliches Zeugnis ablegt, zu wahren, will der Magistrat in Anregung bringen, dass der Name des Stifters in einer der künftig neu zu benennenden Straßen fortlebe.“

**Rudolf-Mosse-Straße wurde von den Nazis aufgehoben** 

Durch Krieg und Revolution verzögert, konnte das Vorhaben erst 1920 umgesetzt werden. Die Südhälfte der Sonnenburger Straße trug ab Mai 1920 den Namen „Rudolf-Mosse-Straße“. Beginnend an der Gaudystraße machte sie in der Mitte einen Knick, um dann im rechten Winkel auf die Eberswalder Straße zu treffen. An ihrer westlichen Straßenseite entstand zur gleichen Zeit eine Holzhaussiedlung, in der Flüchtlingsfamilien aus den an Polen abzutretenden Ostgebieten des Reichs eine neue Heimat fanden.

Den Nazis, die 1933 an die Macht kamen, waren jüdische Straßennamen im Allgemeinen und die Erinnerung an den Liberalen Rudolf Mosse insbesondere ein Dorn im Auge, weshalb sie 1935 die Benennung aufhoben. Sie tilgten biografische Spuren, ließen die Gemäldesammlung der Familie verkaufen und liquidierten die Firma. Die Zerstörung von Archiven und des Mosse-Palais im Krieg, die Ermordung oder erzwungene Emigration von Familienmitgliedern taten ein übriges, die Erinnerungen auszulöschen.

**Nach dem Krieg: Rudolf-Mosse-Straße verschwand unter Trümmerschutt**

Die Straße wurde nach dem Krieg nicht rückbenannt, weil der bürgerlich-liberale Millionär den Machthabern im Sowjetischen Sektor von Berlin als „Klassenfeind“ galt. Für das Deutschlandtreffen der Jugend 1950 und die Weltfestspiele im folgenden Jahr wurde das Gelände des Exer eingeebnet, die Mosse-Straße verschwand unter einer dicken Schicht Trümmerschutt. FDJ-ler errichteten in freiwilligen Arbeitseinsätzen Sportanlagen und ein Stadion. Seitdem endet die Sonnenburger Straße an einem Neubau in der Gaudystraße.

Bis heute hängt die kollektive Erinnerung schief: Im Sportpark erinnert nichts mehr an den großzügigen Mäzen, statt dessen sind die Namen des Antisemiten Friedrich Ludwig Jahn und des Nazi-Vorzeigeboxers Max Schmeling in aller Munde. Die geplanten Sanierungen im Sportpark wären eine gute Gelegenheit, an Rudolf Mosse und seine Rolle als Mäzen zu erinnern. Vielleicht sollte man das neu zu errichtende Stadion nach ihm benennen? Am 8\. September 2020 jährt sich der Todestag Rudolf Mosses zum hundertsten Mal.