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Self-Scan-Kassen: Plötzlich Ladendieb

Wie sie technisch funktionieren, wissen wir. Doch die juristischen Fallstricke hat uns niemand erklärt. Zwei Beispiele aus Prenzlauer Berg.

Self-Scan-Kassen: Plötzlich Ladendieb

Ihr Lieben.

Unsere Gesellschaft ist tief gespalten. Genau, wegen der Sache mit dem Impfen, der russischen Schattenflotte und der Butter unterm Nutella (auf gar keinen Fall!).

Aber auch wegen Selbst-Scan-Kassen.

"Ich persönlich gehe ja nur noch in Läden, in denen ich meine Bio-Blaubeeren schnell selbst übers Band ziehen und mit dem Smartphone bezahlen kann."
"Ich glaub', es hackt! Wenn ich im Supermarkt arbeiten wollte, wäre ich Supermarktfachkraft geworden!!!"

Grautöne haben dazwischen kaum Platz.

Bei uns sind sie überall, vom Edeka am Antonplatz über den Alnatura an der Schönhauser bis zum Netto Wollankstraße.

Der neue Lidl, der vor Kurzem an der Schönhauser/Ecke Kopenhagener eröffnete, verzichtet fast komplett auf Kassenbänder mit Personal.

Schöne neue Lidl-Welt.

So sehr Discounter auch selbst fürs Sparen bekannt sind: Das machte er nicht, wenn wir es nicht mitmachten.

Zum einen, weil wir neuer Technik gegenüber offen sind, seitdem uns ein Modem den Weg ins Internet / das iPhone das Netz für unterwegs / TikTok coole Videos versprach.

Zum anderen, weil die Rushhour des Lebens keine Zeit fürs Abhängen in der Kassenschlange vorsieht.

Doch wer diese Kassen benutzt, übernimmt nicht nur die Arbeit des Ladenpersonals — sondern auch die Beweislast.

Wie schnell man von der umworbenen Kundschaft zum Ladendieb wird, zeigen zwei Geschichten aus Prenzlauer Berg.

💡
Regelmäßig widmen wir uns am Donnerstag einem für uns relevanten Thema in aller Tiefe. Dies ist eine solche Sonder-Ausgabe.

Beispiel 1: Polizei-Einsatz statt Babybrei

Doreens Zwillinge waren gerade sechs Monate alt, als ihr Mann an einem Nachmittag mal eben noch bei Rossmann war, um Windeln, Babynahrung und Gedöns zu besorgen.

Sie erzählt folgende Geschichte:

Die Familie wohnt um die Ecke; sie hat über Monate sehr regelmäßig in der Filiale eingekauft.

Mittlerweile liegt der Fall Monate zurück. Doch bis heute treibt Doreen die Fassungslosigkeit um, wie ihre Familie so behandelt werden konnte.

Natürlich habe ich Rossmann um eine Stellungnahme gebeten. Trotz mehrfacher Nachfrage hat die Pressestelle jedoch nicht reagiert.

Rechtliche Einschätzung

So unfair sich das im Einzelfall auch anfühlen mag. Rein rechtlich sei die Sache klar, erklärt Benjamin Räther, Rechtsberater bei der Verbraucherzentrale Berlin: