Ihr Lieben.
Ihr kennt sie, diese Tage, die so durchrasen, dass für das Sacken lassen von Information keine Zeit bleibt.
Der Montag war so einer.
Unsere neue Kollegin Lena war den ersten Tag an Bord (Willkommen!), Johann auf dem Sprung in den Urlaub, und wir arbeiteten uns durch den üblichen Wochenend-hohen Berg an Mails, Insta-Reels und Beobachtungen, die wir für euch jedes Mal zu diesem Newsletter zusammenstellen.
Dabei wurde der Schriftzug "Nur ein toter Jude ist ein guter Jude", den ich in meiner Straße entdeckt hatte, zu einer Meldung von vielen.
Wir debattierten noch, ob man ihn so abbilden darf, und entschieden uns für: ja.
Wir wollen nicht das Volk verhetzen, aber darauf aufmerksam machen, dass andere es tun.
Aber für die fassungslose Pause, die angebracht gewesen wäre, war keine Zeit.
Ja, Berlin ist eine Metropole. Hier passiert viel, ist Vieles normal.
Aber der offene Aufruf zum Töten von Menschen jüdischen Glaubens darf niemals Normalität sein.


Meine Nachbarschaft sieht das zum Glück genauso. Mittlerweile ist die Straße mit Herzen auf Kreide übersät. Die Parolen sind zumindest notdürftig überpinselt. Die Polizei sucht per Aushängen nach Zeug:innen, der Staatsschutz ermittelt.
Leserin Sharon wies uns zudem auf zwei Anlaufstellen hin, wo man selbst antisemitische Vorfälle melden bzw. wohin man sich als Betroffene:r wenden kann.
Am Sonntag um 16.30 Uhr gibt es eine Mahnwache gegen Antisemitismus vor den Schönhauser Allee Arcaden. Sehen wir uns da?
Wissen
Vandalismus vs. Aufzug: 1 zu 0

Was ist das Problem?
Zum S-Bahnhof Storkower Straße führen drei Aufzüge. Die sind ständig kaputt.
Besonders Ärger macht der Richtung Alter Schlachthof an der Herrmann-Blankenstein-Straße.
Ivo und Dascha berichten: "Der Aufzug funktioniert seit Jahren nur unregelmäßig; seit einem halben Jahr gar nicht mehr. Meine Frau ist gehbehindert und hat im Grunde keine Chance, den Bahnsteig zu erreichen."
Was sagen die Verantwortlichen?
Drei Aufzüge, zwei Verantwortliche: Für die äußeren Aufzüge an Herrmann-Blankenstein- sowie Storkower Straße ist das Land Berlin zuständig. Der runter zum Bahnsteig ist Sache der Deutschen Bahn – was allein schon die Sache verkompliziert.
Die Senatsverwaltung für Mobilität und Verkehr erklärt:
- Die meisten Störungen sind auf Vandalismus zurückzuführen: zerstörte Druckknöpfe und Scheiben, Brände oder starke Verschmutzungen wie Müll oder die Benutzung des Aufzugs als Toilette. Oft muss erst der Reinigungs-Trupp durch, bevor Techniker:innen arbeiten können.
- Mehrmals pro Woche werden Wartungsarbeiten durchgeführt und Störungen beseitigt. Größere Reparaturen gibt es etwa zehn pro Jahr.
- Größere Reparaturen über 500 Euro müssen laut Gesetz ausgeschrieben werden. Das kostet Zeit. Auch die Beschaffung von Ersatzteilen dauert teilweise lange.
