Ihr Lieben.
Es wird Zeit für eine kleine Liebeserklärung — an euch. Denn ihr schickt uns nicht nur ständig interessante, motivierende und uns zum Nachdenken anregende kritische Post.
Sondern ihr kommt auch an einem Donnerstagabend vor einem Deutschlandspiel bei fast 30 Grad, um mit Pankows Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch (Grüne) über Bezirkspolitik im Allgemeinen und Globalsummenzuweisungen im Speziellen zu diskutieren.
Genau das geschah vergangene Woche bei unserem ersten loky*salon: Ein Gespräch in kleiner Runde, das wir in Zukunft regelmäßig anbieten wollen. Denn wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, täten wir das nicht; so toll war der.
Was haben wir gelernt?
- Ihr interessiert euch so sehr für euer Umfeld, dass ihr der Bezirksbürgermeisterin sogar eure Hilfe anbietet, in Zeiten von Geld- und Personalnot: „Was können wir tun?“, fragte ein Leser. „Als Grünen-Politikerin begrüße ich es, wenn Menschen sich auch selbst für ihre Nachbarschaft engagieren und einbringen“, antwortete Koch.
- Mögen alle über verhärtete Fronten und Verrohung der Debattenkultur reden: Ihr seid an echtem Austausch interessiert.
- Und beim nächsten Mal wählen wir einen Termin, an dem wir im Anschluss noch Zeit zum Quatschen haben. Den Ort, die neue Filiale des Coffee Circle an der Kollwitzstraße, können wir hingegen sehr empfehlen. Gründer Martin ist eins unserer zahlenden loky*-Mitglieder. Viele Grüße und danke, dass wir bei euch zu Gast sein durften.
Was haben wir von Cordelia Koch erfahren?
Ihre zentralen Punkte:
- „Allein der Bezirk Pankow bildet mit seiner Ausdehnung von der Stadtgrenze bis Prenzlauer Berg die Komplexität ganz Deutschlands ab. Dennoch nimmt die Bedeutung der Bezirke ab und die Landesebene zieht immer mehr Zuständigkeiten zu sich.“
- „Der Pankower Haushalt hat jedes Jahr ein Volumen von ca. einer Milliarde Euro. Davon sind aber 950 Millionen fest gebunden. Unser Gestaltungsspielraum als Bezirk ist entsprechend klein.“
- „Natürlich macht es dennoch einen Unterschied, welche Parteien im Pankower Rathaus regieren. Schließlich geht es nicht immer nur um Geld und Ausgaben, sondern auch darum, wie man Themen angeht.“
- „Wir haben viele engagierte Mitarbeitende in der Verwaltung. Dennoch gibt es große Beharrungskräfte, was etwa die Digitalisierung sehr erschwert.”
- „In meiner Amtszeit habe ich dafür gesorgt, dass unser Haushaltsdefizit halbiert wurde. Zudem habe ich ein Freiraum- und Erholungskonzept für den Bezirk initiiert. Dies hat dazu geführt, dass nun die Grünentwicklung in den Fokus rückt, nachdem über Jahrzehnte ausschließlich das Thema Wohnen im Fokus stand.“
Der nächste loky*salon ist laut aktueller Planung am 19.08. mit dem Weißenseer CDU-Politiker und Vorsitzenden seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus, Dirk Stettner.
Sobald die Orga steht und ihr euch anmelden könnt, geben wir Bescheid.
Eins noch, bevor wir gleich ins Speed-Dating mit der Nachrichtenlage gehen: Wir haben nach unserer Berichterstattung vom Mittwoch über Pankows Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU), einen großen Instagram-Account, der sexualisierte Bilder von ihr postete, und ihre eigene Präsenz auf der Plattform viel Post bekommen. Zuspruch, aber auch Kritik.
Wir werten das gerade noch aus, sagen aber schon mal „Danke!” für die Rückmeldungen.
Wichtig zu Wissen

Atelierhaus-Eskalation: In der Prenzlauer Promenade haben Künstler:innen am Freitag protestiert. Der Kultur-Plattenbau gehört aktuell dem Land Berlin und wird von der gemeinnützigen Gesellschaft für Stadtentwicklung verwaltet. Einige Mieter:innen würden das Haus gern abkaufen und haben dafür eine Genossenschaft gegründet. Ihnen hat die GSE jetzt offenbar Kündigungen und Mieterhöhungen geschickt; die Gemeinschaft spricht von „Einschüchterung“. (Quelle: Pressemitteilung von Atelierhausgemeinschaft; Demoaufruf der Initiative)
Keine Schule, dafür Bäume: Der geplante Grundschulneubau auf dem Georgen-Parochial-Friedhofs III wird nicht kommen; die auf dem Areal geplanten knapp 600 Wohnungen sind schon länger vom Tisch. Der Grund: Naturschutz, vor allem der Erhalt alter Bäume. Der Bezirk Pankow müsste als Ausgleich 30 Hektar Naturfläche an anderer Stelle schaffen, was aktuell nicht umsetzbar ist. (Quelle: Tagesspiegel)
Neue Geflüchtetenunterkunft: Die entsteht in der ehemaligen Polizeischule in der Elsa-Brändström-Straße mit Platz für etwa 180 Personen. Dafür wird das Gebäude bis Sommer 2027 umgebaut. (Quellen: Entwicklungsstadt, Kleine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus)
Schülerinnen-Deepfakes: An der Heinz-Brandt-Schule haben zwei Schüler mit KI Nacktbilder von Mitschülerinnen erstellt. Die Polizei ermittelt; die beiden hauptverantwortlichen Schüler wurden vom Unterricht suspendiert. Außerdem gibt es laut Schulleitung „Maßnahmen“ gegen Schüler:innen, die die Bilder gesehen und nicht gemeldet haben. (Quelle: Morgenpost)
Weiterhin Wildes Baden am Weißen See

Worum geht's?
Fabi aus der Community war am Weißen See:
- „Es war ein Schock für mich, dass der Ort, an dem ich seit Jahren baden gehe, jetzt nicht mehr frei zugänglich ist.“
- „Ich würde deshalb wirklich gerne mehr über diese Entscheidung erfahren, über die Gründe und darüber, ob andere Lösungen in Betracht gezogen werden.“
Ihr wisst schon: Um Wildbaden zu stoppen, hat der Bezirk eine Totholz-Hecke um den See gebaut – und damit gleichzeitig einen ellenlangen Wohnblock für Insekten, Vögel und Co. gezimmert.
Letztere Idee mag funktionieren. Erstere, s. oben, eher nicht.
Warum ist das wichtig?
- Der Weiße See ist relativ klein und ohne natürlichen Zufluss. Stattdessen strömten in prä-heckischen Zeiten Menschen hin: an heißen Tagen laut Bezirksamt bis zu 4.000. Eine ziemliche Strapaze für Gewässer und Ufer.
- Seit 2014 sind mindestens 14 Wildbadende im See ertrunken. Die Strandbad-Rettungsschwimmer:innen können laut Bezirksamt nicht den ganzen See screenen.
- Aber: Das Strandbad kostet regulär 9,50 Euro Eintritt. Wildbaden: nichts.
War die Combo „Hecke + Strandbad“ die einzige Lösung?
Diese Alternativen waren im Gespräch: