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Rechte Gesänge und Stromausfall

Außerdem: Gastro ohne Draußen-Stühle; Berlin gegen Verpackungssteuer; deine Klima-Idee gesucht.

Rechte Gesänge und Stromausfall
Plakat der rechtsextremen Partei Der III. Weg. Entdeckt auf dem Weg zur Kita.

Ihr Lieben,

diese Woche war ich im Gericht. Nicht als Angeklagter oder Zeuge, sondern für loky* als Journalist.

Aktuell recherchiere ich zu rechten Vorfällen in unseren Kiezen. Ich frage mich: Was steckt hinter den nüchternen Statistiken und Polizeimeldungen über rechte Straftaten?

Nachdem ich durch die kafkaesken Gänge des Amtsgerichts Tiergarten geirrt war, saß ich plötzlich mittendrin im Showdown.

Einer der Angeklagten schrie die Richterin an. Sie darauf ganz locker: „Das wirft aber ein ganz schlechtes Licht auf sie. Reißen Sie sich mal zusammen.“

Die beiden Angeklagten sollen in der Nähe des S-Bahnhofs Wollankstraße „Ausländer raus“ gesungen und einen Mann geschlagen haben. Der hatte sie auf den Gesang angesprochen – und würde das heute aus Angst so nicht mehr tun, wie er im Zeugenstand sagte.

Für seine Zivilcourage büßte er ein Stück Zahn ein.

Ich kann ihn gut verstehen. Als einer nicht-weißen Freundin und mir letztens in der S25 sieben aggressive Neurechte gegenübersaßen, gegen die Scheiben boxten und besagten Gesang anstimmten, war die einzige Möglichkeit: schnell weg, Polizei rufen.

Deren Reaktion: Sollen wir die S-Bahn anhalten? Das erschien mir nicht angebracht, zumal wir noch im Waggon saßen.

Am Ende legte ich frustriert auf; die Gruppe kam davon.

Mich interessiert: Habt ihr in der Nachbarschaft rechte und rassistische Straftaten mitbekommen oder wart selbst davon betroffen? Habt ihr die Polizei gerufen oder seid eingeschritten? Und wurde am Ende jemand verurteilt?

Lasst es mich gern wissen, per Mail an redaktion@loky.news oder anonym in unseren Briefkasten.


Wissen im Schnelldurchlauf

Außen-Gastro-Genehmigungs-Stau: So kann mach das Problem mit dem nächtlichen Lärm natürlich auch lösen.

Warten auf Gestühl: Bestes Wetter, aber draußen keine Sitzplätze? Nach dem dritten Gastro-Besuch mit „Uns fehlt noch die Genehmigung“ haben wir beim Straßen- und Grünflächenamt nachgefragt, das sagt: Es gibt keine Statistik, wie viele Anträge auf Bearbeitung warten. Normalerweise dauert der Prozess acht Wochen. Aber: Es kommt zu Verzögerungen im Betriebsablauf. Im wunderschönen Wortlaut: „Aufgrund begrenzter personeller Kapazitäten und der notwendigen, aber umfangreichen Prüfung der Anträge bezüglich der Verkehrssicherheit kann es zu Verzögerungen in der Bearbeitung der Anträge kommen.“ (Quelle: loky*-Anfrage im Büro von Stadträtin Manuela Anders-Granitzki, CDU)

To-go to good to go: Aus euren Mails wissen wir: Uns alle nervt der Müll. Doch eine Verpackungssteuer auf To-go-Becher und Einweg-Salatschalen hat der Senat am Dienstag abgewehrt. Und das, obwohl die Bezirksbürgermeister:innen sich dafür ausgesprochen hatten. Der Senat sieht sich nicht in der Verantwortung und setzt auf ein Gesetz auf Bundesebene. (Quelle: Senatskanzlei)

Klinik-Übernahme: Wenn der Sana-Konzern vom Land Berlin die unlängst beantragte Genehmigung zur Übernahme der insolventen Park-Klinik Weißensee zum 1. Juni erhält. Dann soll es eine „sukzessive Weiterentwicklung des gesamten medizinischen Leistungsangebots“ geben. Was das genau bedeutet, auch für die aktuell 770 Mitarbeitenden? Dazu möchte die Sana-Pressestelle nichts sagen, bevor alles in trockenen Tüchern ist. (Quelle: loky*-Anfrage beim sowie Pressemitteilung des Sana-Konzerns)

Baumarkt offen: Toom eröffnet morgen eine neue Filiale in der Roelckestraße, wo bis Ende 2025 der Hellweg war. (Quelle: toom Baumarkt)

Haferkater zu: 2017 war das Café an der Eberswalder einer der ersten Standorte des Porridge-Startups. Mittlerweile gibt es Läden an Bahnhöfen in ganz Deutschland und am BER. Auf dieses Geschäftsmodell möchte man sich nun konzentrieren. Der auslaufende Café-Vertrag wurde also bewusst nicht verlängert; seit Montag ist zu. Was schade ist, wie loky*-Redaktionsleitung Juliane findet, die hier manchen Newsletter schrieb und die lustige Mischung aus Digitalnomadentum, Mauerpark-Touris und bezahlbarem Frühstück sehr zu schätzen wusste. (Quelle: loky*-Anfrage bei Haferkater-Geschäftsführerin Anna Schubert)

Verbotener Wasserspaß: Die Leute vom Verein Flussbad Berlin wollten am Mittwoch in die Spree springen, aus Protest gegen das seit 100 Jahren andauernde Badeverbot. Doch die Aktion fiel wegen Wetter ins Wasser – nicht, weil die Umweltverwaltung zuvor nochmal betont hatte: Schwimmen im Spreekanal ist auch als Demo nicht erlaubt. Den Spree-Planschern ist's egal. Bis September wollen sie einmal im Monat baden gehen. Nächster Termin: 20.6. (Quellen: Flussbad Berlin bei Instagram, Tagesspiegel)

Spree-Schwimmen anno 2025. Quelle: Hilmar Schmundt

Erlaubter Wasserspaß: Legal planschen geht seit dieser Woche wieder auf den Wasserspielplätzen in Mitte, unter anderem im Weinbergspark (hier gibt's die Übersicht). Die Pankower Plansche am Weißen See startet erst am 1. Juni. (Quellen: Bezirksamt Mitte und Bezirksamt Pankow)