Ihr Lieben.
T-Shirt oder Winterjacke? Matcha Latte oder Filterkaffee? Allergietablette oder Homeoffice bei geschlossenen Fenstern?
Das Leben im Kiez fordert dieser Tage eine Menge Entscheidungen von uns. Neu dabei im Angebot: Mit wem soll ich Müll sammeln?
Mit Sunčica Klaas, Direktkandidatin für die Grünen bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September? Mit Linda Vierecke in gleicher Position bei der SPD? Oder mit einer der vielen BSR-Kehrenbürger-Aktionen?
Seitdem die Aushänge der beiden Politiker:innen die Hauseingänge in meiner Straße zieren, bin ich zwiegespalten: Einerseits finde ich es super, wenn sich die Politik gemeinsam mit der berühmten Stadtgesellschaft pragmatisch eines Problems annimmt, hier "Überall liegt Müll und es nervt".
Andererseits frage ich mich, ob besagte Politik ihre Zeit nicht besser nutzen könnte – etwa mit der Finanzierung und Koordination von Unternehmen, die das mit dem Müll professionell und damit vermutlich auch effizienter regeln könnten?
Beispiel Altkleider, deren Entsorgung bei uns nicht läuft (ihr erinnert euch): Unlängst war ich in Düsseldorf, wo neben jedem Altglas- auch ein Altkleidercontainer steht. Beides wird regelmäßig geleert. Darum kümmert sich ein örtliches Entsorgungsunternehmen.
Ergebnis (Überraschung!): Saubere Straßen.
Erkenntnis: Es geht!
In den kommenden Monaten wollen wir uns bei loky* noch intensiver mit den größten Herausforderungen in unseren Kiezen beschäftigen – und den Antworten, die die lokale Politik darauf gibt. Sind schließlich im Herbst Wahlen, s. oben.
Das wird richtig gut. Weil wir das gemeinsam mit euch machen!
Los geht's jetzt, mit dieser Frage:
Was sind aus eurer Sicht die größten Herausforderungen? Die drängendsten Probleme? Die tollsten Chancen?
Schreibt mir eure Wünsche an Berlin im Allgemeinen und uns als Redaktion in Zeiten des Wahlkampfs im Speziellen an redaktion@loky.news oder direkt in unseren Briefkasten.
Ich freu' mich auf Post!
Wissen im Schnelldurchlauf

Beteiligung in Pankow-Süd: Wenige Spielplätze, miese Radwege, ausufernde Versiegelung. So sieht's im Tiroler Viertel, dem Neumannkiez und Teilen des Kissingenviertels aus. Der Bezirk will das ändern und Pankow-Süd mit einem Entwicklungskonzept grüner, sicherer und kinderfreundlicher machen. Beteiligen könnt ihr euch bei Veranstaltungen im Mai und Juni – oder ab 20. Mai auch online (Link noch offline). (Quelle: Stadt Berlin)
Mokka-Milch-Eisbar: Die eröffnet Samstag im Kaffee Moskau in der Karl-Marx-Allee nach über 35 Jahren wieder. In Ostberlin war sie das, was man heute Szene-Location nennen würde. Nach der Wende war Schluss. Nur der gleichnamige Schlager überlebte. Jetzt gibt's Kaffee, Coworking und Pilates (u.a.) (Quelle: Mokka-Milch bei Instagram)
Fontäne im Weißen See: Sie soll wieder sprudeln (was sie aktuell nicht tut). Geld dafür ist beantragt. Unklar ist noch, ob die Pumpe repariert oder ersetzt wird. Die komplette Abschaltung ist vom Tisch. (Kleine Anfrage der SPD ans Bezirksamt Pankow)
Margot Friedländer: Seit vergangener Woche hat das Grab der vor einem Jahr verstorbenen Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugin auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee einen Grabstein. So entspricht es der jüdischen Tradition. Darauf die Botschaft "Seid Menschen". Zudem wurde der Platz vor dem Berliner Abgeordnetenhaus, gegenüber vom Gropius-Bau, in Margot-Friedländer-Platz umbenannt. (Quellen: BZ, rbb)
Leere Kitas: Seit 2019 ist die Zahl der Kita-Kinder im Bezirk Pankow um 16 Prozent zurückgegangen, auf 18.581. Nur 77 Prozent der Plätze sind aktuell belegt; schlechter sieht es nur in Friedrichshain-Kreuzberg aus. Bis 2040 soll Pankows Bevölkerung zwar wachsen, der Anteil der unter 7-Jährigen aber weiter sinken – um 6 Prozent. Der krasseste Rückgang wird am Helmholtzplatz erwartet: minus 18,9 Prozent. Wie die Kitas damit umgehen? Steht bei uns. (Quelle: Tagesspiegel)
DingDong PingPong: Das Tischtennis-Startup expandiert in die Kulturbrauerei. Der neue Standort eröffnet am 27.5. in der Danziger Straße. Sogar Harry Styles spielte schon in der anderen Filiale in der Prenzlauer Allee, geöffnet 24/7. (Quelle: DingDong Ping Pong)
80 Jahre Udo: Ein Teil unseres Jobs ist es, Alerts zum Begriff "Pankow" zu scannen. Da gab es zuletzt viel zu tun, weil Udo Lindeberg am Sonntag 80 wurde (#panikrocker #sonderzug). Wer noch nicht zu viel hat: Pankows Tourismus-Marketing hat eine kostenlose Audio-Tour durch den Kiez im Angebot; der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB) seine Info-Broschüre zum legendären Auftritt Udos im Palast der Republik 1983 aktualisiert (Download). (Quellen: Nette Hinweise per Mail)
Hochwasser-Check: Wie hoch steigt das Wasser vor meiner Haustür bei Starkregen? Kann jeder im neuen Infoportal des Landes Berlin (Untertitel "Krass, ist das nass!") überprüfen. Das Überflutungs-Risiko in der loky*-Redaktion in der Schönhauser ist übrigens "sehr hoch". Tipps für Vorsorge, Notfall und das Danach gibt's auch. (Quelle: Senatsverwaltung für Klimaschutz)
Ben identifiziert: Die Berliner Polizei weiß nun, wer der bekannte Weißenseer Obdachlose war, der im März verstorben ist. (Quelle: Morgenpost)
Status-Bericht: Uns geht es im Berlin-Vergleich gut. Das zeigt das Monitoring Soziale Stadtentwicklung. Auf der Status-Skala von sehr niedrig bis hoch liegt das loky*-Gebiet zwischen mittel und hoch. Laut Monitoring gibt's: durchschnittliche oder sogar unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit, wenig Kinderarmut, wenig Haushalte mit alleinerziehenden Eltern. Verhältnismäßig wenige Menschen müssen etwa ihr Gehalt aufstocken. Nur der Kiez rund um den Volkspark Prenzlauer Berg gilt als "Gebiet mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf", also Förderbedarf. (Quelle: Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2025)
Suppenküchen-Hilfe: Der Straßenfeger in der Storkower Straße sucht Ehrenamtliche, die auch langfristig Zeit haben, in ihrer Übrigküche für Obdachlose mitzuarbeiten. (Quelle: Straßenfeger bei Instagram)
Thema: Dicke Luft im Volkspark Friedrichshain

Worum geht’s?
Das mit dem Grillen im Kiez ist so eine Sache: Auf dem Balkon sind Kohlegrills oft verboten, und einfach im Park aufstellen geht auch nicht – wegen Brandgefahr, und um Natur und Nachbarschaft nicht übermäßig zu belasten.
Wohin also? Die Bezirke haben ein paar offizielle Grillplätze ausgewiesen – in unserer Nachbarschaft im Mauerpark, Monbijoupark und dem Neuen Hain im Volkspark Friedrichshain.
Klingt nach einer guten Lösung. Ist es aber nicht für alle, denn auch offizielle Grillplätze haben Anwohner:innen, die unter Lärm, Rauch, Müll und Ratten leiden.
Was sagt die Nachbarschaft?
Hanna lebt im Raucheinzugsgebiet der Grillwiese am Neuen Hain und hat uns geschrieben:
„Nachmittags und abends kann man dort kaum noch hingehen, wenn man noch atmen möchte. Morgens sieht man dann die Konsequenzen: Der Rasen wird beschädigt, überall liegt Müll herum, und das Gebüsch stinkt, weil es als öffentliche Toilette genutzt wird. Die Joggingrunde fühlt sich dadurch nicht mehr erfrischend an. Darf es wirklich sein, dass ein Drittel des Parks für Sportler, Hundespaziergänger, Kinder etc. praktisch nicht mehr nutzbar ist?“
Auch Linda schreibt:
„Wir haben versucht, mit Beschwerden auf verschiedensten Ebenen (Ordnungsamt, Polizei, Stadträtin, BVV, in den einzelnen politischen Fraktionen..) Gehör zu bekommen und Änderungen (Verbesserungen) für uns, Umwelt und Parkbesuchende zu erwirken. Wir hatten bisher wenig Erfolg.“

Warum ist das wichtig?
Der Park um die Ecke ist unser verlängertes Wohnzimmer, unser Fitnessstudios, der Ort für die Kindergeburtstags-Schnitzeljagd und der Café-Ersatz in Zeiten von 6-Euro-Kaffee-Latte.
Er ist nah. Sein Besuch kostet nichts. Er ist offen für alle.
Das ist toll und jeder Einzelfall (bzw. einzelne Grill) kein Problem.
Doch wenn an einem warmen Wochenende halb Berlin auf einer kleinen Wiese brutzelt, summieren sich Lärm, Rauch und Müll schnell zu: zu viel.
Was sagt der Bezirk?
Viele der Betroffnenen leben im Bötzowkiez – also im Bezirk Pankow. Der Park gehört aber zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Der setzt auf eine Kombi aus Präsenz und Sensibilisierung, um gegen Lärm- und Geruchsbelästigung vorzugehen, wie er auf loky*-Anfrage erklärt:
- Mitarbeiter:innen des Park- und Kiezmanagements sowie Parkläufer:innen
überwachen die Grillordnung, vermitteln bei Konflikten und rufen – wenn nötig – Ordnungsamt und/oder Polizei. - Im Neuen Hain hängen die Grillregeln in mehreren Sprachen aus. Außerdem wird auf die alternativen Standorte hingewiesen.
- Beim Thema Müll wurde nachgebessert: Es gibt mehr Aschecontainer und Mülltonnen, die täglich geleert werden.
In der BVV Friedrichshain-Kreuzberg war der Grillstreit im Januar Thema: Ein Antrag der CDU, der viele Maßnahmen bis hin zu einem kompletten Grillverbot forderte, wurde nach Diskussion in den Ausschüssen von der BVV abgelehnt.
Wie geht’s weiter?
Die Anwohner:innen fordern weiterhin:
- eine konsequente Durchsetzung der Regeln,
- ein Verbot von Großveranstaltungen und lauter Musik,
- eine Räumung der Grillwiese um 22 Uhr,
- grillfreie Tage und, wenn alles nichts hilft, auch
- die Schließung der Grillfläche.
Sie haben eine Petition gestartet. Mehr als 8.000 Menschen haben schon unterschrieben.
(loky*-Anfrage beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, BVV-Tagung in Friedrichshain-Kreuzberg, Neuer Hain)
Apropos Düsseldorf: Mein loky*-Mitgründer Philipp und ich waren dort unlängst nicht, um die dortige Müll-Strategie zu checken. Sondern, um bei einem Event des Media Forward Funds loky* und die tolle Zusammenarbeit mit euch, also unseren Leserinnen und Lesern, vorzustellen.
Und wir hatten die Gelegenheit, uns mit anderen spannenden Mediengründungen auszutauschen – etwa andererseits, dem Magazin für Behinderung und Gesellschaft, dem Sachsen-Anhalt-Podcast Dazwischen oder lokalen Angeboten aus der Schweiz wie Tsüri und Bajour.
Themen waren u.a. auch Kampagnen zur Gewinnung von zahlenden Mitgliedern, denn langfristig soll sich auch loky* neben Sponsorings überwiegend durch seine Mitglieder finanzieren.
Das war motivierend und toll. (Grüße geh'n raus!)
Machen
Offene Bio-Backstuben: Führungen, Backkursen und Mitmachaktionen. Mit dabei: BioBackhaus, Zeit für Brot und Jute Bäckerei (18.–23.5., mehr).
Wohnstadt Carl Legien: Rundgang zu Architektur, Stadtplanung und Ideen des Neuen Bauens der 1920er-Jahre. Anmeldung erforderlich (20.5., 17–18.30 Uhr, mehr).
Sozialkulturmarkt: Vereine und Initiativen stellen ihre Arbeit vor – mit Bühnenprogramm, Beratung und Mitmachaktionen, Antonplatz (21.5., 15–18.30 Uhr, mehr).
Berlinale-Gewinner: „Yellow Letters – Gelbe Briefe“ im Open-Air-Kino Freilichtbühne Weißensee (22.5., 21.30 Uhr, mehr).
Der Grill-Text stammt von Anna-Lena; ums Machen hat sich Emilia gekümmert, und Johann und Lena haben Kurzmeldungen zugeliefert.
Habt eine gute Woche und bis Freitag!
Juliane von loky*