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Rechte, Reizgas und rote Badehose

Außerdem: Mirbach-Kreisel; Urbanliner; Grillwiese im Volkspark.

Rechte, Reizgas und rote Badehose
"Ich sehe rot" bekam am Montag auf der Malmöer Straße eine doppelte Bedeutung.

Ihr Lieben,

vielleicht habt ihr die Videos aus loky*land gesehen, die diese Woche kursierten.

Ein Mann, oberkörperfrei und in roter Badehose, bedrohte am Montag an der Malmöer/Ecke Czarnikauer Straße Kinder. Die Polizei kam, der Mann schlug um sich, kletterte aufs Dach eines Polizeiautos. Das Resultat: Festnahme, 13 verletzte Polizist:innen.

Klingt krass, oder? Und wurde in vielen Medien auch so reproduziert.

Ein Satz in der Polizeimeldung dazu hat mich stutzig gemacht: Ein Polizist wurde geschlagen, die anderen „klagten nach dem Einsatz über eine Reizung der Atemwege und Augen und wurden ambulant behandelt”.

Bedeutet: Sie haben Reizgas eingesetzt und sich oder ihre Kolleg:innen selbst verletzt. Stimmt genau, sagte mir ein Polizeisprecher am Telefon. Welche Strategien es gibt, um so was zu vermeiden? Konnte er nicht sagen.

Ich finde das absurd und frage mich mal wieder, wie nachhaltig so ein Spray ist – nicht nur bei der Polizei, sondern auch in unseren Taschen.

Also: Bitte aufpassen mit Reizgas, und: Polizeimeldungen unbedingt kritisch lesen! Auch die zu rechten Vorfällen in den Kiezen, um die es weiter unten in diesem Newsletter geht.


Wissen im Schnelldurchlauf

Für alle, die gerne ein paar Runden im Kreis fahren: Am Mirbach-Platz geht's wieder.

Kreisverkehrs-Beruhigung? Der Mirbach-Kreisel ist nach der „Versackung“ (🍻) vorletzte Woche wieder frei. Warum die Straße an der Kirchen-Baustelle absank, bleibt unklar; sicher ist, dass die Berliner Wasserbetriebe dort zuvor gebuddelt hatten. Nach der unfreiwilligen Verkehrs-Ruhe fragt sich Leser Christian: Gibt's Pläne, den Kreisel-Verkehr eines Tages dauerhaft zu beruhigen? Nope, sagen Bezirksamt und Senatsverwaltung. (Quellen: Anfragen beim Ordnungsamt Pankow und der Senatsverwaltung für Verkehr)

Freies-Bad-Karte: Spätestens seit dem letzten Wochenende wissen wir: In der Schlange fürs Sommerbad brüten – schlechte Idee! Dank einer Übersicht der Berliner Bäder könnt ihr vorher checken, wo es gerade voll ist. (Quelle: Karte der Berliner Bäder)

Gegenrede-App: Wenn in Büro, Familienchat oder Eckkneipe rechtsradikale Sprüche und Falsch-Infos fielen, rang Software-Entwickler Chris aus der loky*-Community oft um „die ruhigen Worte und die passenden Zahlen“, wie er uns schrieb. Was macht ein Tech-Experte dann? Eine App bauen. Die hilft mit Fakten, Argumentations-Übungen und Tipps für den richtigen Tonfall („ruhig, neugierig oder direkt“ – choose your fighter). (Quelle: Chris per E-Mail)

Vorsicht, ein Urbanliner in freier Wildbahn. Quelle: BVG, Andreas Süß

Tram-Riese unterwegs: Der Urbanliner ist seit Montag zugelassen und ab Mitte Juli unterwegs. Die 50 Meter langen Bahnen werden zuerst auf der M4 zwischen Hackescher Markt und Hohenschönhausen/Falkenberg eingesetzt. Test- und Schulungsfahrten starten schon kommende Woche. Bis Jahresende sollen 15 Züge fahren, langfristig könnte die Linie komplett umgestellt werden. Zuvor gab's Probleme, weil der Koloss zu schwer für die Überquerung der U-Bahn-Tunnel am Alex war. Zwei neue Stützen im Tunnel waren die Lösung. (Quellen: Pressemitteilung der BVG, Entwicklungsstadt)

Lesetipp: Kurz bevor bekannt wurde, dass Schüler der Heinz-Brandt-Schule Deepfakenacktbilder von Schülerinnen erstellt haben, gab es dort einen Kritische-Männlichkeit-Workshop. Ein Reporter von der Morgenpost war dabei und hat eine lesenswerte Reportage darüber geschrieben; hier oder hier nachzulesen.

Grillwiesen-Limit: Nicht nur manchen Anwohnenden wird es zu viel: Nun hat sich auch der Betreiber des Imbiss „Neuen Hain“ im Volkspark Friedrichshain zu Wort gemeldet – unter einer negativen Google-Bewertung. An Wochenenden werde der Bereich regelrecht überrannt, Regeln und Platzbegrenzungen (46 Plätze) würden oft ignoriert. Trotz Einsatz von Ordnungsamt, Polizei und Personal komme es zu Überfüllung, Müll und Rauch; teils werde mehrmals täglich Hilfe gerufen. Die Bitte: Nur kommen, wenn Plätze frei sind und die Belegung online prüfen. Auf den Kommentar hingewiesen hatte uns SPD-Politiker Tino Schopf. (Quelle: Antwort des Betreibers auf Google Maps)


Community

Unser Text über den Instagram-Account „politicalinstyle”, der regelmäßig Fotos von Pankows Ordnungsstadträtin Manuela Anders-Granitzki postete, hat für viel Gesprächsbedarf gesorgt.

Das Spektrum eurer Mails ging von

Und wir wissen jetzt, dass sich Manuela Anders-Granitzki von der Medienrechtskanzlei Schertz Bergmann vertreten lässt.


Rechte Vorfälle, wenig Konsequenzen

Worum geht's?

Was hat es eigentlich für ein Nachspiel, wenn jemand einem nachts „Heil Hitler” hinterherruft?

Das fragte mich ein Freund, der das im Komponistenviertel erlebt hat.

Und was steckt hinter einer Polizeimeldung, in der es heißt: Zwei Personen haben in Pankow erst "Ausländer raus" gesungen und dann einen Mann geschlagen, der sie dafür kritisierte?

Oft verpuffen solche Meldungen und Erzählungen, ohne das wir jemals erfahren, was die Polizei ermittelt und die Gerichte entschieden haben.

Ich habe mir deswegen die zwei Fälle aus dem loky*land genauer angesehen.